Bertoluccis Titel Vor der Revolution (den wir leider nicht zeigen können) umschreibt den zweiten Block an Beiträgen. Fix me, Life without principle und Sur la planche zeigen Umwälzungen in der Interaktion von Menschen. Politik, Wirtschaft und das Seelenleben des Individuums beeinflussen sich gegenseitig und erzählen Geschichten von Kriminalität, psychischer Krankheit und Therapie. Als Beobachter lehnen sich die Filmemacher dabei an klassische Genremuster an, vermeiden aber das Psychologisieren.
Der Film als Kunstform interessiert sich auch für das, was nach den Revolutionen geschieht. Besonders eindrucksvoll geschieht dies in The Ditch, der vom Leiden der opfer maoistischer Säuberungsaktionen erzählt und die Auswirkungen irregeführter Revolutionärer Ideologie schildert. This is not a film geht vom gleichsam toten Endpunkt einer Revolution aus, dem Hausarrest eines vermeintlichen Systemgegners, und skizziert, wie aus der Interaktion zweier Menschen, eines Tiers und einer Kamera die Keimzelle eines neuen Umbruchs werden kann.
Die Rolle der technischen Medien ist in fast allen Filmen des Programms präsent, meist eher implizit. Dennoch zeigt sich, dass die neuen, demokratischeren Möglichkeiten, große Bilder auf der Leinwand zu produzieren, mit Verbreitungsformen wie Youtube vielfache Allianzen eingehen, die auch Fragen nach dem Verhältnis von Kunst und politischer Betätigung aufwerfen (denen wir unter anderem in der Gesprächsrunde am Donnerstag nachgehen). Die Lust auf kollektive Selbstreflexion im Kino scheint heute stabiler und ästhetisch ergiebiger als die auf manch andere Medien des 20. Jahrhunderts.
the revolution will not be televised.