Hyper, Hyper. LICHTER AGORA

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Kategorie: Vorträge und Talks
Vorstellung: Samstag, 01. April 2017, 17:00 Uhr , Mousonturm

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(offenes Gesprächsforum, 2017), deutsch/englisch

Offenes Gesprächsforum (Deutsch/Englisch)
01. April // 17 Uhr //Festivalzentrum Mousonturm (Studio 2)

Fake World meets True Scientists: In der LICHTER AGORA diskutieren junge Philosophen und Wissenschaftler des Exzellenzclusters „Normative Orders“ und der Goethe-Universität Frankfurt am Main über Wahrheit und ihre Bedeutung für Politik und Zeitgeschichte. Ausgangspunkt der drei Sessions ist die BBC-Dokumentation HyperNormalisation (Adam Curtis, 2016). Ausgewählte Filmausschnitte liefern Impulse für das offene Gesprächsforum. Das Setting des interdisziplinären Austauschs lädt das Publikum ein, gleichberechtigt mit den Gästen der AGORA zu debattieren. Der Eintritt in die AGORA ist jederzeit möglich.

Session 1: Engineering The World? – Der Wahrheitsbegriff der Psychoanalyse und seine Bedeutung für eine emanzipatorische Politik

Die Entdeckung des Unbewussten hat den Zugang zur Psyche revolutioniert: Sigmund Freud hat gezeigt, dass sich ein beträchtlicher Teil des Seelenlebens der Kenntnis und Herrschaft dem bewussten Willen entzieht und der Mensch mehr ist, als bloß das Zusammenwirken bio-chemischer Prozesse. Die Symptome menschlichen Leidens verweisen vielmehr auf einen unbewussten Sinn, der aus der Lebensgeschichte der Patienten heraus verstanden werden muss. Patienten müssen also einen Reflexionsprozess durchlaufen, um den entstellten Sinn ihres Leidens ans Licht zu bringen. Diese Bewusstwerdung soll ein Mehr an Autonomie ermöglichen. Nicht nur in der Medizin, sondern auch in der Philosophie forderte die Entdeckung und Theorie des Unbewussten stets tradierte Modelle und Begriffe heraus.

Der Sozialphilosoph Johannes Röss (Exzellenzcluster „Normative Orders“) erörtert in seinem Vortrag die Herausforderungen der Psychoanalyse für philosophische Wahrheitstheorien. Daran anschließend überträgt der politische Theoretiker Jonathan Klein (Exzellenzcluster „Normative Orders“) die Motive der Psychoanalyse auf ein Denken politischer Praxis und beleuchtet die gesellschaftlich-emanzipatorische Kraft von Wahrheit. Der Politikwissenschaftler Holger Marcks (Exzellenzcluster „Normative Orders“) spannt den Bogen zu HyperNormalisation und gibt einen Überblick über die wichtigsten Themen und Fragestellungen des Films.

Session 2: The Truth Is Out There – Connections and Disconnections between Truth and Reality

Vereinfachende Welterklärungen stehen nicht erst seit Pegida, AfD und Donald Trump hoch im Kurs. Die Frankfurter Gesellschaftswissenschaftler Dr. Endre Dányi und Sebastian Schindler (Exzellenzcluster „Normative Orders“) analysieren Verschwörungstheorien und ihre Anziehungskraft auf Individuen und Gesellschaft (in englischer Sprache):

Does everything connect? Conspiracy theories suggest so, but so do many social scientific approaches. Sociologist Endre Dányi suggests the main challenge is whether we can distinguish between different kinds of connections. Why do we tend to perceive reality as disconnected from truth? Taking inspiration from Hannah Arendt, political scientist Sebastian Schindler argues that we should not accept that reality is fake.

Session 3: Post-truth, Facts & Fiction – Was kommt nach den Fakten?

In einem „Plädoyer für die Dummheit“ zeigt die Politikwissenschaftlerin Nicky Mühlhäuser, warum Wahrheit unmöglich ist. Der Frankfurter Philosoph Sven Zedlitz befasst sich damit, wie sich neue Gegenöffentlichkeiten bilden, die politische Machtverhältnisse ins Wanken bringen. Und Marcus Döller (Exzellenzcluster „Normative Orders“), ebenfalls Philosoph, bringt eine ästhetische Perspektive ins Spiel, indem er das Verhältnis von Wahrheit und Illusion im Film beleuchtet.

Moderation:
Stefanie Plappert und Sebastian Läßle

„Adam Curtis sucht in HyperNormalisation nach Korrelationen und Kausalitäten und fragt nach den Bedingungen dafür, wie unsere Wahrnehmung der Welt sich verändert haben könnte.“ (Wired)