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Regionale Programmhighlights

Auch im 10. Jubiläumsjahr schicken zahlreiche Filmemacher aus der Region ihre Werke wieder ins Rennen um den begehrten LICHTER Bembel. Neben den Wettbewerben um den besten regionalen Lang- und Kurzfilm, zeigt LICHTER auch in diesem Jahr eine Reihe an Filmen “Außer Konkurrenz”. Bei den zahlreichen Welt- und Deutschlandpremieren des regionalen Filmprogramms stehen 2017 nicht nur Wiesbadener Kultkneipen und verliebte Großstädter im Mittelpunkt, die diesjährigen Leinwand-Highlights mit Hessen- und Rhein-Main-Bezug führen die Festivalbesucher auch nach Italien, Armenien und Namibia.

18 Langfilme und 30 Kurzfilme zeigen in diesem Jahr die große Bandbreite hessischen Filmschaffens. Die Genres reichen von großen Produktion, bei denen sich Spielfilme und Dokumentarfilem, die Klinke in die Hand geben, bis zum experimentellen Kurzfilm. Ein besonderer Fokus liegt auch dieses Mal wieder auf dem Nachwuchs, denn bei LICHTER ist man sich einig: Studierende sind die Frischzellen der Branche. Ihre künstlerische Freiheit, Radikalität und Kreativität geben der gesamten Szene wichtige neue Impulse.

Im regionalen Wettbewerb treten insgesamt neun Langfilme um den begehrten weißen Bembel an. Die Produktionen sind alle unter Beteiligung von Filmschaffenden und Förderern aus Hessen und der Region entstanden – und doch sind die Drehorte über die halbe Welt verteilt.

Weltpremiere feiern bei LICHTER die aktuellen Arbeiten von Malte Wirtz und Janis Marx. In Hard & Ugly – eine Liebesgeschichte entwirft der Marburger Regisseur und Autor Malte Wirtz ein modernes Großstadtmärchen vom gescheiterten Glück. Im Zentrum steht Et, der bei einem Selbstmordversuch auf Carla trifft, die ebenfalls vom Pech verfolgt ist. Gegenseitig versuchen sich die beiden Leidensgenossen aus dem Schlamassel zu ziehen. Janis Marx‘ intimes Kammerspiel Hinter dem Meer über die Kraft wahrer Freundschaft zweier Rentner ist ein packendes Roadmovie und Plädoyer an zwischenmenschliche Beziehungen zugleich. Gespickt mit einer gehörigen Portion Lokalkolorit war der Abschlussfilm der Hochschule Darmstadt für den Hessischen Hochschulfilmpreis 2016 nominiert.

Der Frankfurter Regisseur Peter Rippl zeigt seinen neuen Dokumentarfilm A Gravame – das Stahlwerk, der Tod, Maria und die Mütter von Tamburi als Deutschlandpremiere beim LICHTER Filmfest. Einst eine florierende Handelsstadt, ist Taranto heute von Europas größtem Stahlwerk gezeichnet. Eine enorme Umweltverschmutzung und überdurchschnittlich hohe Krebsraten sind die ständigen Begleiter im ehemals mediterranen Paradies. Von der Politik ignoriert, wurde der wirtschaftliche Aufschwung teuer bezahlt. Rippl vermischt persönliche Geschichten und distanzierte Beobachtungen und gibt den vergessenen Einwohnern so ihre Stimme zurück.

Ebenfalls Deutschlandpremiere feiert die von der Hessischen Filmförderung unterstützte georgisch-deutsche Koproduktion Alles über Menschen. Der Kasseler Regisseur Giorgi Abashishvili erzählt in alltäglichen Episoden von der Vielfalt des Lebens in Georgien und Deutschland. In atmosphärisch-poetischen Bildern gelingt es Abashishvili unsere hektische Zeit ein wenig zu entschleunigen.

Die Hessenpremiere Wann endlich küsst du mich von Julia Ziesche zeigt drei Frauen aus drei Generationen am Rand eines Nervenzusammenbruchs. Der Film nahm in diesem Jahr am Wettbewerb des Max-Ophüls-Preises teil. Produzentin der Tragikomödie ist die Frankfurter U5 Filmproduktion. Einen Gastauftritt gibt die Frankfurter Band NEWMEN, deren Sänger Joel Ameloot auch in einer der Nebenrollen zu sehen ist.

Mit dem Dokumentarfilm Sylvis Bumerang hat Thomas Lawetzky der Kneipenkultur ein filmisches Denkmal gesetzt. Über 50 Jahre tummelte sich die Polit- und Künstlerszene im Bumerang, bis die Wiesbadener Kultkneipe im Jahr 2010 schloss. Sylvia Bernhardt blickt in dem Film auf ihr Leben als Wirtin zurück, wie die Kneipe das Familienleben der heute 82-Jährigen beeinflusste und welche Magie den Bumerang so lang am Leben hielt. Ehemalige Stammgäste erzählen persönliche Anekdoten und erinnern an ein halbes Jahrhundert deutsche Zeitgeschichte.

Ghostland – The view of the Ju/‘Hoansi blickt auf eine der ältesten Jäger- und Sammlerkulturen der Welt. Das Leben der Ju/‘Hoansi Buschmenschen ist von Hunger und kultureller Entwurzelung geprägt. Sie gelten als Forschungsobjekte und touristische Attraktion. Doch als der Frankfurter Dokumentarfilmer Simon Stadler sie besucht, begeben sich die Ureinwohner Namibias das erste Mal auf eine Reise mit umgedrehten Vorzeichen – bis nach Frankfurt am Main. Für die Dokumentation erhielt Stadler den Hessischen Filmpreis 2016.

In Armenia des Frankfurter Regisseurs M.A. Littler erforscht der Musiker Haig Boghos die Geschichte seiner Familie. Sein Trip führt ihn nach Armenien – das Heimatland seiner Vorfahren. Zu gleichen Teilen Essayfilm und poetisches Roadmovie ist Armenia eine persönliche Sinnsuche. Die historische und psychologische Reise in das Unbekannte repräsentiert nicht nur die Gedankenwelt eines verlorenen Individuums, sondern auch das kollektive Bewusstsein eines leidgeprüften Volkes.

Im regionalen Wettbewerb des LICHTER Filmfest startet außerdem auch die Dokumentation Dennis Hopper: Uneasy Rider. Der in Frankfurt arbeitende Regisseur Hermann Vaske wandelt auf den Spuren der amerikanischen Schauspiellegende, die mit dem Kultfilm der Hippie-Bewegung, Easy Rider, 1969 berühmt wurde.

Außer Konkurrenz läuft der auf der Berlinale 2016 ausgezeichnete Film L’avenir mit Isabelle Huppert. Mia Hansen-Løve erhielt den Silbernen Bären für die beste Regie. Der Ton des Films wurde in den Herold Studios in Frankfurt gemischt.

Mit dem Film „196 BPM“ begann Karmakar 2002 seine Arbeit zur Clubculture. Denk ich an Deutschland in der Nacht bildet als bisher dokumentarischster Film zum Thema den Abschluss seiner „Club Land Trilogie“. Er begleitete fünf DJs in die Clubs: Ricardo Villalobos, Roman Flügel, ATA, Sonja Moonear und Move D.. Das Ergebnis: ‚Club-History‘ dicht und authentisch.

Mehr zum diesjährigen Programm des LICHTER Filmfests finden Sie hier.