© Still The Distinguished Citizen

Internationales Wahrheitsprogramm // Highlights

Der Wahrheit auf der Spur

Postfaktisch. Alternative Fakten. Lügenpresse. Begriffe, die seit Monaten in der Öffentlichkeit kursieren. Wie also ist es im Jahr 2017 um die Wahrheit bestellt? Diese Frage stellen wir uns in der 10. Jubiläumsausgabe des LICHTER Filmfest Frankfurt International. Unsere internationale Filmreihe und das diesjährige Begleitprogramm nähern sich dem Thema „Wahrheit“ in all seinen Facetten an.

Das internationale Filmprogramm

Dass die Wahrheit einen Menschen in Lebensgefahr bringen kann, bekommt ein weltberühmter Literaturnobelpreisträger in The Distinguished Citizen zu spüren. Im Film von Gastón Duprat und Mariano Cohn kehrt der Schriftsteller nach über 40 Jahren in seine argentinische Heimatstadt zurück, die ihm all die Jahre als Inspirationsquelle diente. Doch bald muss er feststellen, dass die Rückkehr der größte Fehler seines Lebens war.

Der Dokumentarfilm The Last Passenger – A True Story von Mathieu Orcel ist der zweite argentinische Beitrag bei LICHTER: Um ein heruntergekommenes, verlassenes Hotel ranken sich zahlreiche Legenden. Befeuert werden sie von seinem Besitzer, Eduardo Gamba. Gegen Geld führt der alte Mann Besuchergruppen durch die magischen Gemäuer. Auch die Medien greifen seine Erzählungen dankbar auf. Allein Gamba stellt sich als geschickter Interpret der Wahrheit heraus, tischt er doch jedem seiner Zuhörer eine andere Geschichte auf.

In By the Time it Gets Dark der Thailänderin Anocha Suwichakornpong arbeitet eine Filmemacherin mit einer ehemaligen Aktivistin an einem Drehbuch über ein Massaker an Studenten im Jahr 1976. Doch plötzlich stehen ein Popstar und eine Schauspielerin im Mittelpunkt der Geschichte. Und eine Kellnerin taucht an ungewöhnlich vielen Orten auf. Ihre Verbindung durch Zeit und Raum wird erst sichtbar, wenn der Film die Komplexität ihrer Lebenswege freilegt.

Die Dokumentation Nuts! wiederum erzählt die Geschichte von Dr. John Romulus Brinkley, der in den 1920er Jahren impotenten Männern Ziegenhoden einpflanzte und ihnen dadurch Heilung versprach. Penny Lane vermischt für den Film Archivmaterial und animierte Szene zu einem humorvollen Portrait eines exzentrischen Genies. Am Ende erliegt der Zuschauer beinahe selbst den Behauptungen des charismatischen „Arztes“. Denn eine Welt, in der Brinkleys abstruse Ideen wahr wären, würde wohl niemand ablehnen.

In der Dokumentation Jackson besucht die Filmemacherin Maisie Crow die letzte Abtreibungsklinik im US-Bundesstaat Mississippi. Im tiefen Süden der USA sind legale Abtreibungen fast unmöglich geworden, denn die Macht der Abtreibungsgegner in Kirche und Politik ist groß. Aus unterschiedlichen Perspektiven blicken drei Frauen in dem Film auf die amerikanische Gesundheitsversorgung, sexuelle Rechte und individuelle Familienplanung.