© Avi Dehlinger

Die LICHTER Preisträger 2015

And the Bembel goes to…

Abschlussabend, Preisverleihung. Sechs ereignisreiche Festivaltage liegen hinter uns, die heute Abend mit der feierlichen Preisverleihung des 8. LICHTER Filmfests ihren Höhepunkt gefunden haben.

Am Ende ging Ein bisschen Normalität von Thomas Toth und Michael Schaff als bester regionaler Kurzfilm hervor. Der Spielfilm Sin & Illy still alive von Maria Hengge und die Dokumentation Conduct! Jede Bewegung zählt von Götz Schauder teilen sich den Titel als bester regionaler Langfilm.

Der LICHTER Publikumspreis gestiftet von Binding geht an die Jazz-Doku Carlo, keep Swingin´ von Elizabeth Ok, während sich Michel Klöfkorn für seinen Kurzfilm X-X-XX—X—GEWOBENES PAPIER (X-X-XX—X—WEAVED PAPER) über den in diesem Jahr zum ersten Mal ausgelobten LICHTER Courage-Preis gestiftet vom Schlageter Institut freuen darf.

Über den Zeitraum der letzten 6 Tage verwandelten regionale und internationale Filmreihen, Talks, Kunstinstallationen und Partys das Festivalzentrum um den Cantate-Saal in einen einzigen, großen Kultur-Campus. Mit 12.000 Besuchern blicken wir auf ein Rekordjahr zurück. „Wir hatten über 30 Premieren im Programm, konnten zahlreiche Filme zeigen, die sonst kaum ihren Weg auf die große Leinwand finden und haben uns über ausverkaufte Kinosäle gefreut. Wir haben Filmschaffende mit Experten und Publikum ins Gespräch gebracht und in viele zufriedene Gesichter geblickt“, resümiert Festivaldirektor Gregor Maria Schubert.

Und nicht nur unserer Meinung ist das LICHTER Filmfest Frankfurt International nicht nur zentrale Plattform des Filmschaffens in der Rhein-Main-Region und Hessen, sondern auch ihr Motor. „Wir wollen das Filmschaffen in unserer Region mitgestalten und weiterentwickeln“, betont die stellvertretende Festivaldirektorin Johanna Süß. „Die Gewinner der weißen Bembel erhalten daher hochwertige Technik- und Equipment-Gutscheine zur Realisierung neuer Projekte.“

Der beste regionale Langfilm

13 Langfilme und 27 Kurzfilme aus der Rhein-Main-Region und Hessen konkurrierten in diesem Jahr um die begehrten Preise.
Der weiße Bembel für den besten regionalen Langfilm wurde in diesem Jahr auf zwei Filme aufgeteilt: Gewonnen haben Maria Hengges Debüt „Sin & Illy still alive“ und Götz Schauders
Künstlerporträt „CONDUCT! Jede Bewegung zählt“. Beide Filme haben bei LICHTER ihre Weltpremiere gefeiert.

Der Film „CONDUCT! Jede Bewegung zählt“ beobachtet die fünf Finalisten des Sir Georg Solti Wettbewerbs in Frankfurt, dem anerkanntesten Dirigentenwettbewerb der Welt. „Durch die präzise Beobachtung seiner Protagonisten in dieser hermetisch abgeschlossenen Szenerie erzeugt der Film in seiner Vielschichtigkeit eine hohe Emotionalität und Spannung“, lautet die Begründung der Jury, bestehend aus dem Produzenten Christoph Thoke, der Schauspielerin Anne Ratte-Polle und der Filmemacherin Tatjana Turanskyj.

Bei Maria Hengges Film „Sin & Illy still alive“ handelt es sich um „eine Freundinnen- und Mutter-Tochter-Geschichte aus dem Frankfurt Fixermilieu, die unsentimental mit hyperrealistischen Elementen erzählt und toll gespielt ist“, heißt es in der Jurybegründung.

Der beste regionale Kurzfilm

Den weißen Bembel für den besten regionalen Kurzfilm gewannen die Regisseure Michael Schaff und Thomas Toth mit ihrem Werk *„Ein bisschen Normalität“_. Die Jury, bestehend aus der Produzentin *Martina Valentina Baumgartner, dem Autor Stefan Kriekhaus und dem Filmjournalisten Achim Forst, begründet ihr Urteil wie folgt: _„Der Preis geht an einen Film, in dem die drogenabhängige Protagonistin den Filmemachern einen schonungslosen und ungeschönten Blick auf ihr Leben erlaubt. Umgekehrt gelingt es den beiden Regisseuren, aus der vertrauensvollen Zusammenarbeit ein berührendes Porträt zu zeichnen, das besonders durch seine gelungene Montage überzeugt.“

Die lobenden Erwähnungen für den regionalen Kurzfilm gingen an „Gezeitentümpel“ von Pablo Zinser, der durch seine formal strenge Bildsprache und sein stilsicheres Gespür überzeugte, und an “„Warum ist der Tisch schräg!/Warum mag jeder Geld!“:http://www.lichter-filmfest.de/de/programm/timetable/programmansicht-2015.html?film_id=493 von Stefan Vogt, die sich durch einen leichten und witzigen Umgang mit gesellschaftlichen Themen auszeichnen.

Der Binding Publikumspreis

Auch die strengste Jury der Welt hat in diesem Jahr wieder ein Urteil bei LICHTER gefällt – die Zuschauer: Der Binding Publikumspreis ging in diesem Jahr an „Carlo, Keep Swingin ́“ von Elizabeth Ok. Die einfühlsame Dokumentation über den Frankfurter Trompeter Carlo Bohländer, der den Jazz in der jungen Bundesrepublik etablierte, lässt zahlreiche Legenden zu Wort kommen und macht bislang unveröffentlichtes Archivmaterial zugänglich. Der mit 2.000 € dotierte Preis wird bereits im dritten Jahr von der Binding-Brauerei gestiftet.

Der LICHTER Courage-Preis

Der LICHTER Courage-Preis zeichnet in diesem Jahr erstmals einen Kurzfilm aus, der sich besonders originell und überzeugend mit Mut, Zivilcourage und Toleranz auseinandersetzt und die Wahrnehmung dieser Werte schärft. Gewonnen hat den mit 1.500 EURO dotierten Preis der Film „Gewobenes Papier“ von Michel Klöfkorn. Die Kurzfilmjury, die auch für den LICHTER Courage-Preis verantwortlich zeichnet, lobt den Film vor allem „für seinen Mut zur konstanten künstlerischen Auseinandersetzung mit unseren Wahrnehmungsmustern und der Hinterfragung medialer Strukturen. Diesen Mut zeigt Michel Klöfkorn auch in seinem neuen Film, in dem er uns auf inhaltlicher und medialer Ebene die Verflechtung und Entflechtung von Bildern physisch vorführt.”

Der LICHTER Courage-Preis ist eine Initiative des SCHLAGETER INSTITUTS Wiesbaden, das den Preis gestiftet hat. „Wir müssen Mut sehen und hören, um Hoffnung zu empfinden. Mut muss uns gezeigt werden. Direkt nach dem gelebten Vorbild halte ich Film für das beste Medium, um Beispiele mutigen Handelns in die Welt zu tragen“, begründet Dr. Holger Schlageter das Engagement seines Instituts, das weltweit Führungskräfte in Wirtschaft und Politik zu mutigen Entscheidern ausbildet.

Die lobenden Erwähnungen für den LICHTER Courage-Preis gingen an „Sorrow“ von Mikhail Svyatskiy, dessen Animationsfilm durch seine eindringliche Darstellung von persönlichem Mut besticht, und an „Limit: S.O.S.“ von Andrzej Klamt, der ein formal überzeugendes Statement zur Fluglärmbelastung im Rhein-Main-Gebiet ist.

Aber nicht nur dank der oben genannten Produktionen, sondern auch aufgrund all der anderen großartigen Beiträge unseres diesjährigen Programms aus der Region und jenseits davon, war das 8. LICHTER Filmfest ein großartiger Erfolg!

Wir sagen Danke!