Erste Programmhighlights 2015

Das Sichtungskomitee hat getagt.

Rund 50 Dokumentar- und Spielfilme mit Hessen-Bezug sind für den LICHTER-Wettbewerb um den besten regionalen Langfilm in die nähere Auswahl gekommen. Nach Sichtung der aller Einreichungen ist sich das Komitee einig: „2015 wird ein ganz besonderes Festivaljahr!“ Vor allem die eingereichten Dokumentarfilme haben für das kommende Jahr die Nase vorne.


Umso mehr freuen wir uns bereits jetzt, die ersten Filme des Programms 2015 vorstellen zu können:

“Carlo, Keep Swingin’” (Regie: Elizabeth Ok)

Zu den Entdeckungen des kommenden Festivals zählt “Carlo, Keep Swingin’” von Elizabeth Ok, u.a. für den Hessischen Filmpreis 2014 nominiert. Einfühlsam porträtiert die Regisseurin und ausgebildete Sängerin den Frankfurter Jazz-Trompeter und Gründer des späteren Frankfurter Jazzkellers, Carlo Bohländer. Anhand der schillernden Gestalt ihres Protagonisten zeichnet Ok das Bild einer ganzen Generation junger Musiker, für die die improvisierte Musik ein Ausdruck von Freiheit und nach 1945 ein Beitrag zur Entnazifizierung und Demokratisierung war. Der Film führt in gekonnter Montage von Archivbildern und neuen Aufnahmen das Who’s who einer deutschen Jazz-Szene auf, deren Epizentrum die Mainmetropole war.

“Femminielli” (Regie: Nino Pezzella)

Der Experimentalfilm “Femminielli” von Nino Pezzella feiert bei LICHTER seine Weltpremiere. Für die Langzeit-Dokumentation der aussterbenden Transgender-Tradition Neapels erhielt Pezzella 2014 den Hessischen Filmpreis. Zehn Jahre ist der Filmemacher und bildende Künstler, der auch an der Städelabendschule lehrt, Transsexuellen gefolgt, um die Rituale und die gesellschaftliche Rolle der „Femminielli“ zu studieren. Die Jury des Hessischen Filmpreises lobte Pezzellas experimentelle Art zu filmen. In ihr spiegele sich die spielerische Theatralik der Femminielli.

“Hard Soil – The Muddy Roots of American Music” (Regie: M.A. Littler)

Mit “Hard Soil – The Muddy Roots of American Music” entführt der eines der LICHTER-Urgesteine M.A. Littler uns in ferne Welten. Der Frankfurter Independent-Filmer spürt in seinem neuen Werk der kulturellen Evolution und Vielfalt der Folk- und Roots-Musik der Vereinigten Staaten nach. In poetischen Bildern, intimen Gesprächen, Akustik-Sessions und wilden Live-Shows bringt er eine Szene junger unabhängiger Musiker auf die Leinwand, die ihre vom Punk inspirierte Musik mit den Klängen ihrer Vorfahren verbinden.

“Tristia – Eine Schwarzmeer-Odyssee” (Regie: Stanislaw Mucha)

Gleiches gilt für den zweiten bekannten LICHTER-Namen: Stanislaw Mucha. In seiner Dokumentation “Tristia – Eine Schwarzmeer-Odyssee” nimmt uns der Regisseur mit auf eine spannende Reise entlang der Grenzgebiete zwischen Asien und Europa. Romantische Steilklippen und malerische Hafenstädte prallen auf kunterbunte Multikultur, postkommunistische Gespenster und Olympia-Wahn. Mucha sammelt skurril-humor- volle Begegnungen rund um ein sagenumwobenes Meer, das zumindest Westeuropäern lange un- zugänglich war.

Auch Nadav Schirman wird 2015 wieder beim Festival vertreten sein. Sein jetzt schon mehrfach ausgezeichnetes und international beachtetes Werk “The Green Prince” handelt von einer der wertvollsten Geheimdienstquellen Israels: Mosab Hassan Yousef, Sohn eines obersten Hamas-Führersines, besser bekannt als „The Green Prince“. Der Gewinnerfilm des begehrten Sundance Publikumspreis entpuppt sich schnell als fesselnder „Real-Life“-Thriller, erzählt er doch von der komplexen Beziehung zwischen Informant und Kontaktmann. Dem Hessischen Filmpreisträger 2014 ist ein eindrucksvolles Zeugnis über Terror, Verrat und eine Freundschaft gelungen, die alle Grenzen überwindet. Sci-Fi-Horror, Roadmovie und die Frankfurter Auschwitzprozesse im Spielfilm

“Beti und Amare” (Regie: Andreas Siege)

Auch die Spielfilm-Sektion wird bei LICHTER 2015 wieder einige starke Filme zu bieten haben. Der Frankfurter Filmemacher Andreas Siege wird mit seinem international gefeierten Werk “Beti und Amare” Deutschlandpremiere bei LICHTER feiern. Die Geschichte über das äthiopische Mädchen Beti, das 1936 auf der Flucht vor Mussolinis Truppen glaubt, von einer höheren Macht namens Amare gerettet worden zu sein, konnte schon bei renommierten Festivals in Moskau, London und Montreal überzeugen.

“Hin und weg” (Regie: Christian Züberts)

Prominent besetzt ist Christian Züberts eindringliches Roadmovie “Hin und weg”. Jürgen Vogel, Julia Koschitz und in der Hauptrolle Florian David Fitz spielen eindrucksvoll die bewegende Ge- schichte einer Fahrradtour durch Hessen an die Nordsee, von der es für den todkranken Hannes keine Heimreise mehr gibt. Mit seiner Frau Kiki und seinen Freunden radelt Hannes nach Belgien, wo er Sterbehilfe in Anspruch nehmen will. In einer Nebenrolle ist außerdem Hannelore Elsner als Hannes aufopferungsvolle Mutter zu sehen.

“Im Labyrinth des Schweigens” (Regie: Giulio Ricciarelli)

Giulio Ricciarelli setzt fünfzig Jahre nach dem ersten Auschwitzprozess in Frankfurt mit seinem Historienfilm “Im Labyrinth des Schweigens” dem damaligen Hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer ein Denkmal. Die beklemmende Erzählung über die Vorgeschichte des Prozesses stellt die fiktive Figur des jungen Staatsanwalts Johann Radmann in den Mittelpunkt, der bei der Suche nach Tätern und Zeugen nicht nur mit juristischen Widerständen zu kämpfen hat, sondern sich auch mit der Ignoranz der Wirtschaftswunder-Gesellschaft konfrontiert sieht. Die Dreharbeiten wurden u.a. von wissenschaftlichen Mitarbeitern des Frankfurter Fritz Bauer Instituts unterstützt. In der Hauptrolle ist mit Alexander Fehling ein weiterer hochkarätiger Name der deutschen Schauspiel-Szene zu sehen.